Pflegestützpunkte-online.de-ein Verzeichnis aller deutschen Pflegestützpunkte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Geriatrische Pharmazie ist noch eine junge Wissenschaft

Auch im Bewusstsein von Ärzten, Pflegepersonal, Krankenschwestern, pflegenden Angehörigen und den Betroffenen selbst sind die Erkenntnisse der geriatrischen Pharmazie noch nicht verankert.
Der Begriff setzt sich aus zwei Hauptbegriffen zusammen.

Erstens die Geriatrie:

Die Geriatrie beschäftigt sich mit den Krankenheiten von alten Menschen und bezieht  dabei die geistigen und sozialen Bedingungen mit ein.

Der Begriff kommt aus dem griechischen und bedeutet „alt“ und „Heilkunde“. Geriatrie ist die Lehre von den Krankheiten des alternden Menschen. Aber nicht nur das, Geriatrie ist eine medizinische Spezialdisziplin, die sich nicht nur mit den körperlichen Beeinträchtigungen von alten bzw. sehr alten Menschen auseinander setzt, sondern auch ihre geistigen und sozialen Bedingungen erfasst und mit berücksichtigt. Die meisten alten bzw. sehr alten Menschen leiden an einer sogenannten Multimorbidität, die viele einzelne Ärzte überfordert, da bei diesen Mehrfacherkrankungen viele

Faktoren und Felder der Medizin zusammenspielen und miteinander verflochten sind, d.h. mit anderen Worten, Geriatrie muss interdisziplinär, fächerübergreifend arbeiten.

Geriatrie soll in erster Linie dem alten bzw. sehr alten Menschen zu einem besseren Leben verhelfen. Um dieses Ziel zu erreichen muss der Mediziner alle Erkrankungen des hilfe- oder pflegebedürftigen Menschen im Auge habe. Die Behandlung und Pflege ist nicht nur auf die akuten und chronischen Erkrankungen ausgerichtet sondern umfasst auch die rehabilitativen und präventiven Möglichkeiten einer Behandlung.

Zweitens die Pharmazie:

Der Begriff beschreibt die Wissenschaft, die sich mit der Beschaffenheit, Wirkung, Entwicklung, Prüfung, Herstellung und Abgabe von Arzneimitteln befasst. Er stammt aus dem griechischen und bedeutet Heilmittel aber auch Gift oder Zaubermittel.

Die Pharmazie ist den Menschen schon seit langem bekannt. So ist zum Beispiel die Kunde von Heilkräutern ein sehr frühe Form der Pharmazie. Die heutige Pharmazie als eigenständige Disziplin ist aber eine relative junge Wissenschaft. die erst im 17./18. Jahrhundert langsam entstand.
1875 wurde das Studium der Pharmazie die Voraussetzung zur Ausübung des Berufs des Apothekers in ganz Deutschland verbindlich.

Der Askulapstab, seit altersher das Symbol des pharmazeutischen Standes

Die beiden beschriebenen Eckpfeiler  „Geriatrie“ und „Pharmazie“ beschreiben den Arbeitsschwerpunkt der Geriatrischen Pharmazie. Auf der einen Seite steht der alte bzw. sehr alte hilfe- bzw. pflegebedürftige Mensch mit einer Vielzahl an Einzelerkrankungen, die zusammen zu einer sogenannten Multimorbidität führen und auf der anderen Seite stehen die Arzneimittel mit ihrer Beschaffenheit, Wirkungsweise, Dosierung und Verabreichung.

Zielsetzung der Geriatrischen Pharmazie

Je älter wir werden, umso höher ist das Risiko krank zu werden. Unsere Organfunktionen lassen im Alter nach oder fallen mit zunehmenden Alter ganz aus. Mit zunehmenden Alter nehmen auch die chronischen und akuten Erkran- kungen zu. Um diesem Prozess entgegen zu wirken werden häufig Medikamente eingesetzt.

Je älter wir werden, um so mehr Medikamente nehmen wir täglich ein. So nehmen laut einer Studie (GEK-Report 2005) rund ein Drittel aller 70-jährigen in Deutschland zwischen 5 und 8 unterschiedliche Medikamente. 15% nehmen sogar mehr als 13 unterschiedliche Arzneien ein.

10 unterschiedliche Möglichkeiten die 5 Medikamenten einzunehmen.

Bei der Einnahme von 5 verschiedenen Medi- kamenten ergeben sich 10 unterschiedliche Kombinationsmöglichkeiten diese miteinander einzunehmen.

Die Variationsmöglichkeiten erhöhen sich überproportional, würde man die Anzahl der Medikamente verdoppeln.

Bei einer Verdoppelung der Anzahl der Medikamente haben wir bereits 45 Einnahmemöglichkeiten

Bei der Einnahme von 10 verschiedenen Medikamenten erhöhen sich die Kombi- nationsmöglichkeiten auf 45. Dabei sind die eventuellen direkten Einnahmefehler:
zu wenig Wasser, vor oder nach dem Essen, Tablette im Mund zergehen lassen oder schlucken usw. noch gar nicht berücksichtigt.

Für die Arzneimittelversorgung stellt das eine große Herausforderung dar. Das Risiko für Arzneimittelwechsel- und Nebenwirkungen steigt stark an, je mehr Medikamente täglich eingenommen werden müssen.

Die Geriatrische Pharmazie versucht die unerwünschten Arzneimittelereignisse (UAE) für die Patientinnen und Patienten zu minimieren und die Folgekosten für das Gesundheitssystem zu reduzieren.

Im Mittelpunkt jeder qualitätsorientierten Gesundheitsversorgung steht die Sicherheit des Patienten. Unerwünschte Ereignisse, die das ungewollte Ergebnis einer Behandlung sind, gefährden die Patientensicherheit.

Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) ist das zentrale Thema der Geriatrischen Pharmazie.

Aus Fehlern lernen

Mit jährlich 30 Milliarden verordneter Tagesdosen ist die Vergabe von Medikamenten (Medikation) die in Deutschland am häufigsten angewandte Therapie. Medikationsfehler stellen deshalb das häufigste Risiko für die Sicherheit von Patienten dar. Das wichtigste Instrument zur Verbesserung der Patientensicherheit ist daher das gemeinsame Lernen aus Fehlern.

Fehler werden begünstigt durch das Zusammenarbeiten vieler Menschen, durch das Ineinandergreifen unterschiedlicher Abläufe, durch hohe Arbeitsbelastungen von Mitarbeitern sowie das Treffen von spontanen Entscheidungen in Ausnahmesituationen. Gerade diese Risikofaktoren sind für die Gesundheitsberufe charakteristisch. Leider werden die Fehler, die in der Gesundheitsversorgung gemacht werden, immer noch mit „schwerwiegendem Einzelversagen“ erklärt. Besser wäre es die Fehler zu analysieren, Schwachstellen zu erkennen und Mechanismen zu entwickeln um Patientenschaden zu verhindern.

In Krankenhäusern, Pflegeheimen und anderen stationären Einrichtungen werden bereits praktikable Arbeitshilfen entwickelt,  um die Fehlerquote zu minimieren.

Aber auch Ärzte, Naturheilkundler, Apotheker, Behörden, Mitarbeiter in beratenden Funktionen - wie z.B. in den Pflegestützpunkten -, pflegende Angehörige und vor allem die Betroffenen selbst müssen für diese Problematik sensibilisiert werden.

Risiken bei der Arzneimitteltherapie

Durch moderne Arzneimitteltherapien lassen sich bei der Behandlung von Krankheiten große Erfolge erzielen, aber die Anwendung von Arzneimitteln birgt auch immer Risiken für den Patienten. Es können unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) auftreten.

Diese unterscheidet man von den unerwünschten Arzneimittelereignissen (UAE).

Basieren unerwünschte Arzneimittelwirkungen auf substanzbezogene Reaktionen beim Patienten, zum Beispiel durch eine auftretende allergische Reaktion oder auf eine unerwünschte Wechselwirkung von verschiedenen verabreichten Medikamenten so lassen sich die unerwünschten Arzneimittelereignisse UAE) auf Medikationsfehler zurück führen, welche bei Beachtung der Anwendungsregeln vermeidbar gewesen wären.

In Großbritannien und den USA haben Studien belegt, dass mehr Menschen an unerwünschten Arzneimittelereignissen (UAE) sterben als im Straßenverkehr.

In Deutschland gibt es noch keine aussagekräftigen Studien zu diesem Thema.

Fachleute sprechen allerdings davon, dass ein nicht unerheblicher Prozentsatz der Klinikaufnahmen von Patienten über 60 Jahren auf eine nicht fachgerechte Anwendung von Arzneimitteln zurück zu führen ist.

Probleme können auf unterschiedlichen Ebenen und an verschiedenen Schnittstellen innerhalb des Gesundheitswesens entstehen. Daher bedarf es der gemeinsamen Anstrengung aller am Medikationsprozess Beteiligten, um Risiken zu erkennen und zu minimieren.

Neben den unmittelbaren gesundheitlichen Folgen für die Betroffenen und deren Angehörige führen unerwünschte Arzneimittelereignisse (UAE)  auch zu erheblichen finanziellen Belastungen für das Gesundheitssystem.

Wie lässt sich Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) verbessern?

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat im November 2007 einen Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) in Deutschland ins Leben gerufen, der alle am Medikationsprozess Beteiligten einbindet und bei deren Erstellung die ABDA ­ Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände mitgewirkt hat. Mit dem Aktionsplan sollen alle notwendigen Aktivitäten zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) in Deutschland zusammengefasst werden.

Die Arzneimittelfachleute des Gesundheitssystems waren und sind in klassischer Weise die Apotheker. Schon jetzt leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Arzneimittelsicherheit.

Aufgrund der häufigen Kontakte zu den Patienten ist gerade der Apotheker in der Lage, unerwünschte Arzneimittelwirkungen zu erkennen und zu verhindern.

Durch eine nachvollziehbare Verabreichung und Vergabe von Medikamenten (Medikationsmanagement) könnte die Versorgung der Patienten verbessert und Folgekosten im Gesundheitswesen verringert werden.

Dabei ist nicht nur der individuelle Kontakt zu dem Patienten von Wichtigkeit, sondern ebenso zu anderen am Medikationsprozess Beteiligten.

Viele ältere Menschen können zwar selbstständig in ihren eigenen Wohnungen leben, müssen aber häufig von Verwandten oder sozialen Diensten betreut werden. Auch für dieses Pflegepersonal ist es ebenso wichtig, einen Ansprechpartner oder eine Ansprechpartnerin in der ortsnahen Apotheke zu haben.

Es gilt den Apotheker für die speziellen Anforderungen der geriatrischen Pharmazie zu sensibilisieren und weiter zu qualifizieren, da hier auch Zukunftschancen für den Berufsstand liegen.

Aber auch der Patient - sofern er aufgrund körperlicher und geistiger Fähigkeiten, noch in der Lage ist, kann wesentlich dazu beitragen, dass Ihre Arzneimitteltherapie so sicher und erfolgreich wie möglich ist. Folgende Hinweise sollten Patienten deshalb zu Ihrer eigenen Sicherheit beachten:

1. Das Führen einer Arzneimittelliste der derzeit eingenommenen oder verwendete Medikamente. Enthalten muss die Liste den oder die Arzneimittelnamen sowie die vorgesehene Dosierung.   Berücksichtigt werden sollten alle - auch die ohne Rezept gekauften - Arzneimittel.

2. Das Vorlegen der Arzneimittelliste bei jedem Arztbesuch. Es ist wichtig für den Arzt zu wissen, welche Arzneimittel eingenommen bzw. verwenden werden, um Symptome richtig einzuordnen und eine individuelle Therapie vorzuschlagen. Die gesamte Arzneimitteltherapie kann so regelmäßig überprüft werden.

3. Das Vorlegen der Arzneimittelliste in der Apotheke, beim Einlösen eines Rezeptes oder beim Kauf eines Arzneimittel ohne Rezept. Auch die Einnahme bzw. Anwendung von Arzneimitteln, die ohne Rezept erhältlich sind, kann zu Risiken führen, insbesondere dann, wenn gleichzeitig weitere Arzneimittel eingenommen bzw. angewendet werden. Der Apotheker berät kann wichtigen Fragen zur Arzneimitteltherapie beantworten.

4. Alle gegebenen Hinweise zur Einnahme bzw. Anwendung der Arzneimittel genau beachten! Voraussetzung für eine sichere und wirksame Therapie ist, dass die notwendigen Arzneimittel in der richtigen Dosierung und Häufigkeit und genau so lange wie nötig eingenommen bzw. angewendet werden. Entscheidend ist es für manche Arzneimittel auch, wie sie eingenommen werden, z. B. vor, zum oder nach dem Essen oder mit viel Flüssigkeit. Informationen dazu finden Sie in der Packungsbeilage, beim Apotheker oder Arzt.

5. Auf das Auftreten neue Beschwerden achten! Jedes Arzneimittel kann Nebenwirkungen haben. Außerdem können Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln oder bestimmten Lebensmitteln auftreten. Diese sind in der Packungsbeilage aufgeführt und werden vom Arzt und Apotheker erklärt. Wenn während der Therapie mit einem Arzneimittel neue Beschwerden auftreten, sofort  den Arzt oder Apotheker informieren.

6. Akute Erkrankungen bei bereits bestehender Dauertherapie beachten ! Durch eine akute Erkrankung, insbesondere wenn diese es unmöglich macht, ausreichend zu trinken und zu essen, kann ein Anpassen oder Unterbrechen der gewohnten Therapie einzelner Arzneimittel erforderlich sein. Auf jeden Fall mit dem Arzt besprechen.

7. Unsere Gesundheitsreform verpflichtet gesetzlich den Arzt und Apotheker in vielen Fällen, bei gleichem Wirkstoff ein preisgünstiges Arzneimittel zu verordnen bzw. abzugeben. Es kann sein, dass Medikamente anders verpackt sind oder anders aussehen. Unsicherheiten oder Unstimmigkeiten sollten mit dem Arzt oder Apotheker direkt besprochen werden.

8. Alle Informationen richtig verstanden ! Vergewissern Sie sich, dass Sie alle Informationen richtig verstanden haben. Machen Sie sich wenn nötig Notizen und haben Sie keine Bedenken, noch einmal nachzufragen.

Nur eine verstärkte gemeinsame Aufmerksamkeit beim Erkennen und Minimieren vermeidbarer Arzneimittelrisiken kann die Chancen auf einen sinnvollen und sicheren Arzneimitteleinsatz gewährleisten.
Die Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit ist ein dynamischer Prozess. Zusätzliche Maßnahmen sollten in die ärztliche und pflegerische Ausbildung aufgenommen werden und im Ausbau regionaler Beratung zur Arzneimitteltherapiesicherheit stattfinden.

Hier kommt dem Personal in den Pflegestützpunkten in der Zukunft eine zentrale Bedeutung zu. Denn in den Pflegestützpunkten können pflegende Angehörige und Betroffene  informiert, beraten und sensibilisiert werden.


(Quellen: flexikon - doccheck.com, Wikipedia.de, Aktionsbündnis Patientensicherheit Arbeitsgruppe Arzneimitteltherapiesicherheit 9/2010, Pharmazeutische Zeitung 23/2008, Aktionsplan 2010/2011 des BMG 9/2010, Informationsmerkblatt des BMG 11/2008, Apothekerkammer Nordrhein-Westfalen 02/2010,PZ Pharmazeutische Zeitung online, Conception Apo.de)

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