Pflegestützpunkte-online.de-ein Verzeichnis aller deutschen Pflegestützpunkte

Die Pflegereformen

Ende 2012 lebten in Deutschland ca. 2,54 Millionen pflegebedürftige Menschen und die Prognosen zeigen für die nächsten Jahre eine rapide Steigerungsrate an. Zur Zeit verzeichnen wir einen Anstieg der Pflegebedürftigen von ca. 4,9% durchschnittlich pro Jahr.
Das Pflegerisiko steigt überproportional mit dem Alter an, dass heißt, je älter ein Mensch wird, um so höher steigt das Risiko dass er pflegebedürftig wird. Eine aktuelle Krankenkassen-Studie belegt: Beinahe jeder zweite Mensch wird am Lebensende pflegebedürftig. Das Risiko, dass ein Versicherter pflegebedürftig wird, liegt derzeit bei 44 %.      (Quelle: lexisnexis.de, 18.11.2008)

Viele bekannte Pflegeprobleme hat die neue Pflegereform in Angriff genommen. Neben der Erhöhung von Pflegegeld und der Erweiterung der Kurzzeitpflege-Bedingungen ist sicherlich die Einrichtung von Pflegestützpunkten der finanziell aufwendigste aber auch für alle Betroffenen und deren Angehörige die wichtigste Reformierung.
Gesunde Ernährung, hochentwickelte Technologien und moderne Medizin haben ihren Preis. Unsere Gesellschaft wird immer älter.

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So hat sich aber auch in den letzten Jahren ein gesellschaftlicher Strukturwandel vollzogen, der viele familiäre und soziale Bindungen zerstört hat und es vielen Angehörigen von pflegebedürftigen, älteren Menschen unmöglich macht, Pflegeleistungen zu übernehmen. Es werden immer häufiger externe, professionelle Dienste in Anspruch genommen bzw. der Ruf nach einem Pflegeheim wird immer schneller laut.
Viele ältere Menschen wünschen sich aber in der gewohnten Umgebung versorgt und gepflegt zu werden.

Genau hier setzte das Bundesgesundheitsministerium mit der Pflegereform 2008 an. Die Weiterentwicklung 2012 und 2014 trugen der sich immer verschärfenden Pflegesituation Rechnung. Jedoch fehlt bis heute eine grundlegende Reform der Pflege in Deutschland, allem voran die Neudefinition des Pflegebegriffes.
Wir informieren Sie hier in chronologischer Reihenfolge über die Grundsätze der Pflegereform 2008, die Weiterentwicklung 2012 (welche in den wesentlichen Teilen bereits 2008 beschlossen wurde), sowie deren Weiterent- wicklung 2014.

Änderung in der Pflegeversicherung ab 2015

Immer mehr Menschen werden pflegebedürftig und bekommen ab dem nächsten Jahr mehr Geld für ihre Betreuung. Nachstehend die wichtigsten Änderungen ab dem 01. Januar 2015
Zunächst einmal steigt der Beitragssatz für die Pflegeversicherung von derzeit 2,05% auf 2,35% (bei den Kinderlosen von 2,3 auf 2,6%) zum 1. Januar 2015. Im Laufe des Jahres steigt der Beitragssatz nochmals um weitere 0,2%, sodass dann rund sechs Milliarden Euro für die Pflege mehr zur Verfügung stehen, davon sollen 1,2 Milliarden Euro in einen Vorsorgefonds fließen.
Das Pflegegeld steigt (siehe Tabelle).

Pflegestufe

Leistungen ab 2012

Leistungen ab 2015

Stufe I

235,00 Euro

244,00 Euro

Stufe II

440,00 Euro

458,00 Euro

Stufe III

700,00 Euro

728,00 Euro

Bei einer zusätzlich auftretenden Demenz werden ca. 100 Euro mehr gezahlt.

Pflegende Angehörige sollen stärker durch ambulante Pflegedienste entlastet werden. Die Kurzzeit-, Tages- und Nachpflege soll erleichtert werden.
Ferner sollen die Zuschüsse für private Umbaumaßnahmen, z.B. für ein barrierefreies Badezimmer von derzeit 2.557 Euro auf 4.000 Euro erhöht werden.

Wenn ein Familienmitglied plötzlich zum Pflegefall wird, kann bereits heute ein Angehöriger einen zehntägigen Urlaub nehmen. Nach dem neuen Gesetz soll er dafür ab Januar 2015 eine Lohnfortzahlung von bis zu 90% des Nettogehaltes erhalten. Für eine längerfristige Pflege soll ein Rechtanspruch auf eine bis zu 24-monatige Teilzeitbeschäftigung eingeführt werden.
Für diese Zeit, in der es keine Lohnfortzahlung gibt, bietet der Bund den Betroffenen zinslose Darlehn an.

Zugang zu ambulanten Leistungen sollen künftig auch Demenzerkrankte bekommen, auch wenn sie keine Pflegestufe haben.

Bis 2017 sollen die drei Pflegestufen auf fünf Stufen erweitert werden. Dann sollen auch die psychischen Defizite eine bessere Berücksichtigung finden.

Dringend aussteht weiterhin die Reform des Pflegebedürftigkeitsbegriffes, welcher festschreibt, wann jemand pflegebedürftig ist und Leistungen erhält.

In den Pflegeheimen soll die Zahl der Betreuungskräfte (diese stehen dem Fachpersonal zur Seite) von 25.000 auf  45.000 erhöht werden.

Eine einheitliche Ausbildung in allen Pflegeberufen soll künftig einen Wechsel erleichtern.

(Quelle: aus  Die Zeit-online, Oktober 2014)

Pflegereform 2012 - Die wichtigsten Änderungen im Überblick*

Mit dem Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (PNG) vom Juni 2012 wurden weitere Verbesserungen und Ergänzungen der Pflegereform 2008 auf den Weg gebracht.

Seit Januar 2013 ist das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (PNG) in Kraft. Eine große Reform, wie im Koalitionsvertrag angekündigt, blieb aus. So wird die Pflegereform 2008  zur Vorlage für neue Änderungen.

Erste Beratung: Für oft plötzlich Pflegebedürftige und ihre Angehörigen ist Beratung wichtig. Künftig ist die Pflegekasse verpflichtet, innerhalb von zwei Wochen nach Eingang eines Antrags auf Feststellung der Pflegebedürftigkeit einen Beratungstermin – auch in der häuslichen Umgebung – anzubieten und Ansprechpartner und Kontaktdaten zu nennen. Antragstellende hatten bereits vorher Anspruch darauf, das Pflegegutachten und eine Rehabilitationsempfehlung zu bekommen. Jetzt müssen die Pflegeversicherungen über diesen Anspruch informieren.

Wahlmöglichkeiten: Künftig können Pflegebedürftige, die an Demenz leiden, neben den bisherigen Leistungen wie Grundpflege und hauswirtschaftliche Hilfe auch Zeitkontingente für Betreuungsleistungen wählen, mit denen der Alltag besser strukturiert wird. Die Leistungen dafür sind auf 100 bis maximal 200 Euro beschränkt.

Förderung von Wohngruppen: Pflegebedürftige in ambulant betreuten Wohngemeinschaften erhalten ab 2013 einen monatlichen Zuschuss von 200 Euro. Zudem werden Mittel zur Bildung solcher Wohngruppen bereitgestellt. Bei Selbstorganisation ist dringend auf eine bedarfsgerechte pflegerische Versorgung zu achten.

Unterstützung pflegender Angehöriger: Während der Kurzzeit- oder Verhinderungspflege wird ab 2013 die Hälfte des Pflegegelds weiter gezahlt. Auch Rehabilitationsmaßnahmen für Pflegende sollen erleichtert werden. Kümmern sich Pflegepersonen um mehrere Pflegebedürftige, werden ab 2013 die Pflegezeiten für die rentenrechtliche Anrechnung addiert. Die Unterstützung der pflegenden Angehörigen ist ein wichtiges Ziel. Angehörige sind aber auch auf eine bessere soziale Infrastruktur angewiesen. Dieses Ziel wird mit der vorliegenden Reform nicht erreicht.

Mehr Leistungen für Demenzkranke: An Demenz erkrankte Menschen der Pflegestufen I und II erhalten höhere Leistungen, auch für Patienten in der „Pflegestufe 0“ werden die Zuwendungen erhöht – jedoch bekommen sie noch immer keinen gleichberechtigten Zugang zur Pflegeversicherung, wie etwa Menschen mit körperlichen Leiden.

Festschreibung ärztlicher Versorgung in Pflegeheimen: Kooperationsverträge zwischen Pflegekassen und geeigneten Ärzten sollen dafür sorgen, dass vermehrt Hausbesuche in Pflegeheimen durchgeführt werden und so die Überweisung in stationäre Einrichtungen vermieden werden kann.

Förderung privater Pflege-Zusatzversicherungen: Die Finanzierung der Neuerungen erfolgt über die Erhöhung des Beitrags um 0,1 Prozentpunkte – viel zu wenig Geld, um eine Neuausrichtung voranzutreiben. Mit der Förderung privater Pflege-Zusatzversicherungen sollen die absehbaren Finanzierungs-Probleme jedem Einzelnen aufgedrückt werden. Eine adäquate Absicherung lässt sich so nicht erreichen.


*Quelle: DGB-Sozialpolitik 09.01.2013

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Inhalte der Pflegereform 2008

Die Pflegereform soll helfen, “dass pflegebedürftige Menschen so leben, wohnen und betreut werden, wie sie es gerne möchten.” (bmg, Die Pflegereform 06/08)

“Die Reform bringt spürbare und konkrete Verbesserungen für Pflegebedürftige, Angehörige und Pflegekräfte (...) Erstmals wird es einen Anspruch auf individuelle und umfassende Pflegeberatung (Fallmanagement) geben.”
(bmg, Pflegereform, 06/08)
Diese Verbesserungen der Leistungen haben ihren Preis. So wurde  der Beitragssatz zur Pflegeversicherung im Juli 2008 um 0,25% erhöht.
Die Pflege soll in den Mittelpunkt der Gesellschaft gerückt werden, so das Leitmotto der Pflegereform 2008.

Durch die Beitragserhöhungen ab dem 01. Juli 2008 wurden die monatlichen Leistungen für Pflegebedürftige bis 2012 schrittweise erhöht, allen voran das Pflegegeld und die Pflegehilfe.

Pflegegeld

Pflegestufe

Leistungen ab 2012

Stufe I

235,00 Euro

Stufe II

440,00 Euro

Stufe III

700,00 Euro

Pflegehilfe (ambulante Sachleistungen)

Pflegestufe

Leistungen ab 2012

Stufe I

450,00 Euro

Stufe II

1.100,00 Euro

Stufe III

1.550,00 Euro

Bei der stationären Versorgung bleiben die Sachleistungsbeträge der Pflegestufen I (1023,00 €) und II (1279,00 €) unverändert, der Beitrag für die Pflegestufe III sowie der Härtefall ändern sich wie folgt:

Pflegestufe

Leistungen ab 2012

Stufe III

1.550,00 Euro

Härtefall

1.918,00 Euro

Die jährlichen Leistungen der Kurzzeitpflege sowie der Tages- und Nachtpflege werden ebenfalls stufenweise angepasst. Sie erhöhen sich in gleicher Form wie die ambulanten Pflegesachleistungen.

Anträge auf Pflegebedürftigkeit müssen innerhalb von fünf Wochen von den Pflegekassen beantwortet werden. Im Falle eines Krankenhausaufenthaltes oder bei einem Aufenthalt in einem Hospiz muss die Bearbeitung innerhalb einer Woche erfolgen. Bei der Antragsstellung auf Feststellung von Pflegebedürftigkeit bei häuslicher Pflege gilt eine Bearbeitungsfrist von zwei Wochen.

Der Anspruch auf Pflegevertretung im Urlaub besteht künftig bereits nach sechs Monaten (bisher zwölf Monate). Die Kosten der Pflegevertretung übernimmt die Pflegekasse, in Höhe von 1.470,00 Euro. Sie entwickelt sich gleich der Pflegehilfe bis 2012.  Ferner übernimmt die Pflegekasse für die Zeit des Erholungsurlaubes für die Pflegeperson die Rentenversicherungsbeiträge.  Die Vertretung wird bis zu vier Wochen pro Jahr finanziert.

Um die ärztliche Versorgung in den Pflegeeinrichtungen zu verbessern, können diese künftig mit geeigneten Ärzten(innen) sogenannte Kooperationsverträge schließen. Kommt kein Kooperationsvertrag zustande, kann die Pflegeeinrichtung einen Heimarzt anstellen um die medizinische Versorgung der Einrichtung zu sichern.

Bei Krankenhausaufenthalten beginnt die umfassende Beratung künftig bereits in der Klink durch speziell geschultes Personal. So soll das “Entlassungsmanagement” dafür Sorge tragen, dass ein reibungsloser Übergang des Pflegebedürftigen in die ambulante Versorgung, die Rehabilitation oder die weitere Betreuung durch ein Pflegeheim gewährleistet ist.

Ab sofort können die Pflegekassen mit selbstständigen Kranken- oder Altenpflegekräften Verträge abschließen. Dadurch kann auf die besonderen Wünschen der Pflegebedürftigen besser Einfluss genommen werden.

Die Zusammenlegung von Leistungsansprüchen (Poolen), zum Beispiel in einem Wohnviertel oder in neuen Wohnformen wie der Senioren-WG, wird durch die Pflegereform unterstützt und gefördert. So soll frei werdende Zeit durch die Zusammenlegung von Sachleistungsansprüchen für die weitergehende Betreuung der am Pool beteiligten Pflegebedürftigen genutzt werden.

Demenziell erkrankte Menschen erhalten durch die Pflegereform mehr Unterstützung. Die Leistungen werden deutlich angehoben. Betrug bisher der Betreuungsbetrag bis zu 460,00 Euro pro Jahr, so erhöht dieser sich ab
01. Juli 2008 im Grundbetrag auf 1200,00 € und im erhöhten Betrag auf 2400,00 €.

Neu eingeführt wird die sogenannte “Pflegestufe 0”. Hier unter fallen all diejenigen demenziell erkrankten Menschen, die die Voraussetzungen zur Pflegestufe I noch nicht erfüllen, aber dennoch einen geringen Pflegebedarf haben.
Mehr Hilfe für demenziell erkrankte Menschen soll es durch die Pflegereform auch in den Heimen geben. Hier sollen spezielle Hilfen und eine zusätzliche Betreuung, welche durch die Pflegeversicherung getragen werden, Betroffenen angeboten werden.

Die neue Pflegezeit ermöglicht es berufstätigen Angehörigen von pflegebedürftig werdenden Menschen die Pflege zu organisieren oder sie für eine bestimmte Zeit selbst zu übernehmen.
Ab Juli 2008 können sich Angehörige von Pflegebedürftigen bis zu einer Dauer von sechs Monaten von ihrer Arbeit freistellen lassen. Voraussetzung hierfür ist die Beschäftigung in einem Betrieb mit mehr als 15 Beschäftigten.
Während der Pflegezeit (mindestens 14 Stunden pro Woche) übernimmt die Pflegeversicherung die Beitragszahlungen zur Renten- sowie der Arbeitslosenversicherung.

Die Recht auf kurzzeitige Freistellung von der Arbeit - bis zu 10 Arbeitstage - kann von jedem Arbeitnehmer in Anspruch genommen werden. So soll dem Arbeitnehmer die Möglichkeit einräumen bei Eintritt von Pflegebedürftigkeit von Angehörigen so schnell als möglich Hilfe zu organisieren. Während der kurzzeitigen Freistellung bleiben die Beschäftigen sozialversichert.

Besondere Augenmerk legt die Pflegereform 2008 auf die Sicherung von Qualitätsstandards für die Pflegeeinrichtungen. So sollen ab 2011 alle Einrichtungen jährlich und unangemeldet geprüft werden. Die Prüfberichte sollen transparent, leicht verständlich und für Betroffene und Angehörige verbraucherfreundlich veröffentlicht werden. Verantwortlich für die Überprüfung der Pflegeeinrichtungen ist der Medizinische Dienst der Krankenversicherungen (MDK).
Ende des Jahres 2008 hat der MDK ein einheitliches Bewertungssystem, gemäß dem Schulnotensystem eingeführt. So ist die Note “1”  “sehr gut” und die Note “5” “mangelhaft”.

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